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Bikes, Music & More | Ein Interview

Anfang Oktober erhielten wir eine Nachricht von Lars, dem Mann hinter http://www.bikesmusicandmore.com
Inhalt war eine Anfrage zu einem Interview mit einem Teil von Rabbit and Wolf für seine Rubrik „Biker & Business“.
Danach ging alles ganz schnell und schon war der Artikel online.
Gerne wollen wir uns auf diesem Wege auch noch einmal für die gut gewählten Fragen bedanken. Unserer Meinung nach gezielt und auf den Punkt.

Hier der Artikel in voller Länge:
(Oder unter: https://bikesmusicandmore.com/biker-business-sebastian-bolligs-von-rabbit-and-wolf/)

 

BMM: Ab und an fallen mir gewisse Szenegänger durch ihre Kommentare auf. Da zählt aber nicht die Masse an Posts, sondern eher der Inhalt. Bei Sebastian ging es mir jedenfalls genau so. Einige seiner Statements fielen mir auf, also folgte ich ihm und stieß so auf die Page von Rabbit and Wolf. Und was ich dort entdeckte, war derart auf die Biker Szene ausgerichtet, dass ich tiefer einstieg. Und siehe da, meine Anfrage hinsichtlich der Rubrik Biker & Business wurde direkt bejaht. Steigen wir also wie gewohnt ein. Mailinterview!

 

 

BMM: Sebastian, Du bist geschäftsführender Gesellschafter von Rabbit and Wolf. Was steckt dahinter?

RaW: Rabbit and Wolf ist eine Agentur für Werbung, Marketing und Kommunikation, die meine Frau und ich ins Leben gerufen haben. Jedoch keine klassische Werbeagentur, wie man sie an jeder Ecke findet, sondern mit einer reinen Spezialisierung auf die Motorrad- und Kfz-Branche. Aufgeteilt auf aktuell ca. 70% Zweirad und 30% Automobil.

 

BMM: Habt Ihr auch beruflich mit der Biker Szene zu tun?

RaW: Aufgrund der Nische unserer Firma haben wir beruflich fast ausschließlich mit der Szene zu tun. Zumal genau dies unser Alleinstellungsmerkmal ist – die Szenekenntnis und die damit verbundene Leidenschaft und Emotion, gepaart mit dem Wissen aus unseren Tätigkeitsfeldern.

 

BMM: Was fährst Du aktuell für ein Bike? Oder hast Du gar die Qual der Wahl?

RaW: Aktuell fahre ich eine Triumph Speed Triple, eine Yamaha Ténéré 700 und eine Harley Davidson Sportster 48. Und wenn ich meine Frau nett frage, dann darf ich auch mal ihre BMW R NineT ausführen. Und mein Vater bringt mir zum Glück das Vertrauen entgegen, dass ich immer wieder in den Genuss komme eine Husqvarna FE 350 mit Dreck zu verzieren.

 

 

BMM: Was war denn so Deine bisher coolste Tour?

RaW: Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich schon viele Abenteuer auf Zweirädern erleben durfte. Ein Erlebnis wird dabei aber für immer unvergessen bleiben – die Fundriding-Touren 2016 und 2018 durch Kambodscha. Vor 2 Jahren sogar als Guide. Zwar „nur“ auf Großradrollern mit 110ccm und kaum zu bändigenden 14 PS. Dafür aber mit sozialem Hintergrund für eine Hilfsorganisation. Und Zweirad mit Motor ist, auch mit wenig Leistung und ohne Style, immerhin ein Zweirad. Wessen Interesse geweckt ist, hier findet man genauere Infos zu diesem besonderen Trip: https://www.rabbitandwolf.de/mit-dem-moped-durch-den-dschungel/

 

BMM: Wo trifft man dich in der Szene an?

RaW: Meist auf den gängigsten Messen und Events, die in halbwegs gut erreichbarer Nähe befinden. Von klein bis groß. Manchmal wäre ich gerne auf mehr Veranstaltungen unterwegs, aber die Zeit ist dafür oft einfach nicht da.

 

 

BMM: Was fällt dir zu der Forderung nach temporären Streckensperrungen ein?

RaW: Bei dem Thema bekomme ich langsam ein Schleudertrauma vor lauter Kopfschütteln. Zumal ich keinerlei Verständnis dafür habe, dass, vor allem von Seiten der Befürworter der Sperrungen, kein differenziertes Denken und keine neutrale Kommunikation vorherrscht. Es gibt nur Schwarz oder Weiß. Klar, ich habe Verständnis dafür, dass es für Betroffene anstrengend sein kann, wenn des Öfteren ein Moped mit überzogener Lautstärke am Gartenzaun vorbeiballert. Aber es ist eben, gemessen an der Menge an zugelassenen Motorrädern, nur eine Minderheit. Und wenn man schon alle über einen Kamm schert, dann bitte nicht nur Zweiradbesitzer. Dann müssen ebenfalls Fahrer von Sportwägen, Berufskraftfahrer, Landwirte mit riesigen Landmaschinen, etc. an den Pranger gestellt werden. Und das finde ich an dem Thema mit am Schlimmsten: Eine regelrechte Hexenjagd. Und diese nur bezogen auf eine einzige Gruppe. Auf das Schweigen und das diplomatische Ausweichen der Industrie, zu diesem Thema, will ich lieber nicht eingehen.

 

 

BMM: Zurück zum Job. Gibt es da ein Projekt, wo Du richtig Bock drauf hast?

RaW: Ganz ehrlich – ich hab‘ Bock auf jedes Projekt, an dem ich beteiligt bin. Egal, wie klein es ist. Ich liebe einfach alles rund um das Thema Motorrad und Kfz. Somit macht mir meine Arbeit jeden Tag aufs Neue Spaß. Aber natürlich hat man gewisse Ideen im Kopf, die man gerne einmal umsetzen würde. Teilweise stehen dazu auch schon Konzepte und grobe Showcases. Mal sehen, wann die Zeit reif ist, dass sie zum Leben erweckt werden können.

 

BMM: Was hat es denn mit dem Heißluftballon auf sich?

RaW: Mein Vater ist schon sein Leben lang Pilot und hat bereits vor über 20 Jahren mit dem Ballonfahren begonnen. Damals noch mit Sponsoren für Hüllen aus anderen Branchen. Nun war es wieder an der Zeit für eine neue Hülle. Somit eine schöne Win-Win-Situation. Er kann weiter seinem Hobby nachgehen und wir können mit unseren Kunden auch außerhalb der geschäftlichen Zusammenarbeit etwas Besonderes erleben. (Ende Interview)

 

 

BMM: Auf eine gewisse Art und Weise ist meine Tätigkeit mit der von Sebastian durchaus vergleichbar. Er lebt konsequent seinen Lifestyle und hat sich beruflich dort etabliert, wo er sich am wohlsten fühlt. Bei ihm sind es zwar eher die strategischen Gedanken um ein ganzheitliches Marketing, bei mir ja die Aktivitäten der Szene selbst, aber unter dem Strich scheint er seine Arbeit genauso wie ich zu einer regelrechten Passion entwickelt zu haben. Das gefällt mir. Allerdings ist sein Level schon weitaus höher anzusiedeln, denn einen Ballon mit dem Logo von bikesmusicandmore.com wird es vermutlich nie geben, obwohl das über dem Gelände des Motorcycle Jamborees sicherlich richtig cool wirken würde. Im Gegensatz zu Sebastian würden aber meine Buddys denken, dass ich komplett durchdrehe und vollends abhebe. Nee, ich bleibe besser am Boden. Oder doch nicht? Grins….

 

Check this video!

 

BMW R nineT – Ein Testbericht

Wie alles begann 

Es war das Jahr 2019, als der östrogene Teil von Rabbit and Wolf sich bei ihrem damaligen Arbeitgeber spontan eine BMW R nineT ausgeliehen hat. Einfach mal so. Zum Ausprobieren.
Was dann passiert ist, kennt sicherlich jeder Motorradfahrer aus eigener Erfahrung. Man setzt sich auf einen Bock und hat sofort das Gefühl: „Oh ja, das ist genau mein Bike!“. Oder im Umkehrschluss: „Ne, ist zwar schön anzusehen, aber wir passen einfach nicht zusammen!“. Eigentlich wie in anderen Lebensbereichen auch. Optisch super, aber nach dem ersten Ritt doch nicht überzeugend.

Nachdem dann eine brandneue R nineT, in unserem Wohnzimmer, auf den Beginn der neuen Saison wartete, ist vermutlich klar, welche Emotion die Probefahrt auslöste.

Tja, und wenn da etwas mit zwei Rädern auf einmal vor mir steht und ich den Schlüssel in der Hand habe, da kann ich dann ja auch nicht anders, und muss das Ding mal fahren.

Welche Eindrücke die Bayerin bei mir hinterlassen hat, das erfahrt ihr im folgenden Testbericht.

Aber zuerst noch eine kurze Anmerkung:
Wann hat BMW dieses Modell das erste Mal auf den Markt gebracht? Was hat sich zum Vorgängermodell verändert? Wie ist sie im Vergleich zu anderen Mopeds dieser Kategorie?
Ganz ehrlich – die Daten und Fakten wissen die meisten doch eh schon, wenn sie sich für diese Gattung an Motorrad interessieren. Und Vergleiche sind aus meiner Sicht meist eh nur Worte ohne viel Mehrwert. Es geht um dieses eine Bike. Seine Vor- und Nachteile. Nicht darum, was andere Hersteller besser, schlechter oder anders machen.
Am Ende sind für den Kauf einer Mopete doch nicht die Fakten ausschlaggebend, sondern dass Zweirad und Fahrer perfekt zusammenpassen und sie sich „verstehen“.

 

 

Der erste Eindruck

 … ist entscheidend! Oder manchmal auch nicht…
Schon bei der Markteinführung war ich nicht ganz überzeugt. Und dieser Eindruck ist bis Ende des vergangenen Jahres immer geblieben. Aber eigentlich nur wegen einem Detail: Der Boxer. Nicht wegen dem Sound oder der Charakteristik. Sondern einfach wegen der Optik. Für mich sollten die ganzen „Heritage“- Bikes, Cafe Racer, Scrambler und was es mittlerweile noch alles für Nischenbezeichnungen gibt, eine schlanke Linie haben. Warum? Keine Ahnung… So war es einfach immer in meinem Kopf. Aber mittlerweile ist es mit der nineT wie bei einem guten Album: Je öfter man die Songs hört, desto besser werden sie. Und nachdem die BMW ja jetzt zur Familie gehört, sehe ich sie relativ häufig. Und ich muss sagen, mit jedem Tag mag ich ihr Äußeres immer mehr. Sei es nun die Einarmschwinge inkl. Speichenrad (unglaublich sexy!), das schlanke Heck (mmmmhhhhhh!) oder der, für diese Motorradart, recht große Tank (wunderschön!).
Alles ist schön clean, aufgeräumt und passt zusammen. Da scheint sich jemand tatsächlich Gedanken gemacht zu haben, dass sich kein Detail in den Vordergrund drängt und damit den Gesamteindruck stört. Purismus pur! So, wie es für so ein Motorrad sein sollte.

Ok, natürlich gibt es auch was zu meckern. Der Kennzeichenhalter ist, wie bei jedem Bike im Auslieferungszustand, einfach zu ausladend und wirkt billig. So auch die Sitzbank. Der Bezug sieht aus, wie eine schmierige Einkaufstasche aus Recyclingmaterial. Ja, das ist Jammern auf hohem Niveau und kann sehr einfach und schnell angepasst werden. Aber nur in den Himmel loben wäre unrealistisch.

Da wären wir auch schon beim Thema Individualisierbarkeit. Schwieriges Thema. Nicht, weil die Basis schlecht ist, oder weil man keine anständigen Teile bekommt. Ganz im Gegenteil. Die Baiuwarin ist dafür absolut großartig geeignet. Und es gibt Teile noch und nöcher. Und das ist das Problem! Für was soll man sich entscheiden?! Eigentlich könnte man sich gleich fünf R nineTs kaufen und man hätte immer noch Zubehörteile im Kopf, die man gerne kaufen und verbauen würde.

Klar, es gibt auch Mopedfahrer, die für ein individualisiertes Bike nicht gleich so tief in die Tasche greifen wollen, dass sie ihre Schwiegermutter verpfänden müssen. Und auch dazu eignet sie sich hervorragend. Es muss nicht viel gemacht werden und schwupps – „neues“ Bike. Schaut euch im Netz nur mal R nineTs an, bei denen einfach nur alle Aluteile geschwärzt wurden. Sieht gleich nach einem Bike aus, das auch Batman in seiner Garage parken würde.

 

 

Das Herzstück

Eine Wucht! Hat jemand mit einer anderen Einschätzung gerechnet? Wäre etwas verwunderlich, wenn BMW ihre Kernkompetenz des Motorenbaus nicht beherrschen würde. Was war nochmal die Bedeutung der Abkürzung „BMW“?

Für die heutige Zeit klingen 110 PS vielleicht nicht nach viel. PS lassen eh „nur“ die Nadel auf dem Tacho noch weiter im Uhrzeigersinn wandern. Für die Rennstrecke sinnig. Da wird man sie aber wohl eher nicht hin entführen. Auf der Landstraße stehen das Drehmoment und der Hubraum viel eher im Fokus. Auch hier kann man jetzt mit Zahlen, wie 116 Nm und 1170 ccm, herumwirbeln. Und was sagt uns das? Wenn man nicht auch noch die Übersetzung, das Gewicht, etc. mit einbezieht, rein gar nix.

Was aber interessant ist, was diese Zahlen im Bauch und Gesicht des Fahrers auslösen.
Die Antwort: Kribbeln und Grinsen! Auch aus dem unteren Drehzahlbereich schiebt sie sich und ihren Reiter aus jeder Ecke kraftvoll raus und sorgt für Lachfalten. Langsamen Rentner im Fiat Punto vor dir und keinen Bock vor dem Überholen runter zu schalten? Kein Problem. Einfach Gashahn auf und das Ding zerrt einem die Arme in die Länge. Ein ungutes Gefühl, diese Kraft nicht mehr im Griff zu haben, tritt aber nie auf. Kein abrupter Punch, der einem bei einer gewissen Drehzahl, so eine Nackenschelle verpasst, dass man gleich seinen Orthopäden aufsuchen muss. Die einen würden es als emotionslos beschreiben. Und genau die macht man, dank dieser Charakteristik, an einem Bergpass nass. Und allein das seitliche Schaukeln des gesamten Bikes beim Starten, Gas geben im Stand und beim Abschalten des Motors sind pure Emotion. Diese seitlichen Kräfte können, wenn man das Bike gerade erst kennen lernt, für einen kurzen „Schreck“ sorgen. Nämlich, wenn man in der Kurve in Schräglage einen Schaltvorgang durchführt. Durch die Unterbrechung des Kraftschlusses „zuckt“ die Dame kurz. Dies sorgt, einen Bruchteil einer Sekunde, für ein Gefühl, sie würde leicht aus der Spur geraten. Tut sie aber nicht.

Irgendwo müssen die Überschüsse dieser kraftvollen Verbrennungsvorgänge am Ende ihren Weg in die Freiheit finden. In diesem Fall führt dieser durch einen Topf von Akrapovic, den der nette BMW-Mitarbeiter direkt zur Auslieferung montiert. Und ich muss sagen – schön! Wirklich schön! Dem einzigartigen Boxer-Sound wird damit bestens gehuldigt, ohne die momentanen Diskussionen um Lärmbelästigung durch Motorräder noch weiter anzuheizen. Und optisch auch vollkommen in Ordnung. Wem der Sound, oder das Erscheinungsbild des slowenischen Topfes nicht zusagen, keine Sorge, es gibt auch in diesem Zubehörsortiment eine Auswahl, die kaum Grenzen kennt. Von einem Topf, über zwei Töpfe, Klappenanlage, oder auch nach oben verlegt. Hier bleiben keine Wünsche offen!

 

 

Sie fährt, schaltet und bremst

Und das „überraschend“ großartig. Dass sie sich fährt, wie ein Sack Nüsse, damit rechnet niemand. Aber dass man bei einem „Heritage“ – Bike das Gefühl hat, ein Naked-Bike zu pilotieren, das hat mich persönlich schon positiv überrascht. Die Upside-Down Telegabel und das Zentralfederbein sind nicht zu hart und nicht zu weich. Alle Unebenheiten werden einfach glatt gebügelt und auch in holprigen Kurven fährt sie wie auf Schienen. Besonders beeindruckt mich persönlich die Agilität, die man ihr optisch in der Art gar nicht zutrauen würde. Egal, ob man es ganz gemütlich angehen lässt, oder ihr auch mal die Sporen gibt. Sie fällt so spielerisch in die Kurven, dass man wahrscheinlich einen Schimpansen drauf setzen kann und der klebt am Pass dem Sportler vor ihm unaufhörlich am Heck. In Verbindung mit der Spurtreue fühlt es sich federleicht und sicher an. Nicht, wie wenn man mal lieber schon sein Testament geschrieben hätte. Und das bei einem Fahrwerk mit aktueller Werkseinstellung!

Ohne Getriebe auch keine Bewegung… Dieses schaltet butterweich, die Gänge bleiben da, wo sie sollen und nichts hakt oder kracht. Sogar den Leerlauf bekommt man eigentlich immer auf den ersten Versuch rein und man landet nicht gefühlte 100 Mal wieder im zweiten und dann wieder im ersten Gang. Nur manchmal will der Erste nicht immer sofort rein. Kurz die Kupplung loslassen, wieder ziehen und schon geht es in der Regel. Trotzdem schafft man es mit diesem Manko, sich an der Ampel kurzfristig beim Hintermann, der es in solchen Momenten ja immer eilig hat, unbeliebt zu machen.

Irgendwann muss der Schwung mal ausgebremst werden. Mit der Doppelscheibenbremse mit 4-Kolben-Festsattel vorne und der Einscheibenbremse inkl. Doppel-Kolben-Schwimmsattel hinten, kein Problem. Sehr gut zu dosieren. Vorne, wie hinten. Nicht zu weich, so dass man einen Krampf in Fingern und Zehen bekommt, weil man zu sehr reingrapschen muss, aber auch nicht zu giftig, dass man beim Einparken vor dem Café einen unfreiwilligen Stoppie zum Besten gibt.

 

 

Wie es sich anfühlt

Gut, wirklich richtig gut! Egal, ob man knapp unter 170 cm (durch Erzählung bestätigt) oder 187 cm groß ist. Der Kniewinkel ist bei jeglicher Art der Fortbewegung, ob entspannt oder sportlich, sehr angenehm. Auch nach längeren Strecken hat man nicht das Gefühl, dass man seine Knie nie wieder zu 100% ausstrecken könne. Kleine Personen kommen, dank der schmalen Sitzbank, ebenfalls problemlos mit beiden Füßen sauber auf den Boden und eine große Person wirkt nicht, wie auf dem Porzellanthron. Die Lenkerposition ist, wenn sich der Mechaniker genau an die Positionsmarkierungen hält, für meinen Geschmack etwas zu niedrig. Das wirkt sich auch etwas negativ auf die Agilität aus. Wenn man den Lenker aber ein paar Grad nach vorne dreht und die Armaturen an die neue Einstellung anpasst, hat man nach 15 Minuten mehrere „Probleme“ auf einen Schlag gelöst. Die Sitzposition wird etwas sportlicher, ohne dabei zu sehr nach vorne geneigt zu sitzen, und die R nineT fühlt sich gleich noch handlicher an. Vor allem bei langsamem Tempo. Ist ja kein Geheimnis, was breite, und eher nach vorne geneigte, Lenker bewirken.

Die Instrumente sind bei jedem Lichteinfall problemlos abzulesen. Analoger Technik sei Dank. Die digitalen Elemente fügen sich gut in das Gesamtbild ein und informieren über alle notwendigen Details. Ok, nachdem dieses Zweirad ja nicht mit allzu viel Schnickschnack auskommt, braucht man auch kein halbes Rechenzentrum im Cockpit. Und keinen VHS-Kurs, um überhaupt erstmal losfahren zu können.

Der kleine Wermutstropfen: Das Zündschloss ist direkt vor dem Tank montiert. Hat man neben dem Zündschlüssel noch einen weiteren, oder auch einen Anhänger, dann dengelt es während der Fahrt immer gegen den Lack und verkratzt diesen. Hier sollte man etwas aufpassen. Da man jedoch einen zweiten Schlüssel benötigt, um die Sitzbank entriegeln zu können, und man diesen wohl eher nicht gesondert mitnimmt, schmirgelt auf jeden Fall etwas. Und wenn es nur der Ring ist. Da bringt es auch nicht viel, dass der Schlüssel vom Sitz mit Gummi umschlossen ist.

Der große Wermutstropfen: Die Sitzbank. Keine Ahnung, ob das nur mir so geht. Aber es wird nach recht kurzer Zeit etwas „unkomfortabel“. Männer werden es kennen, wenn es langsam immer wohlig wärmer zwischen den Arschbacken wird, bis dann irgendwann die komplette Taubheit einsetzt. Und bei diesem Sitz nicht erst nach acht Stunden und 450 Kilometern, sondern schon nach einer Stunde. Ein Umstand, bei dem ich mich noch um eine Lösung kümmern muss. Wie der Soziussitz ist? Das werde ich wohl nie erfahren, da ich niemals hinten Platz nehme – Angst sei Dank. Laut meiner Frau, die einmal für ca. 30 Kilometer in den „Genuss“ kam, eher suboptimal.

 

 

Schlussfolgerung

Was lernt man daraus? Man erwischt sich selbst einfach immer wieder dabei, wie man sich vorab seine Meinung bildet, ohne alle Hintergründe zu kennen. Aber es geht ja um das Bike…

Ich bin selten ein Motorrad gefahren, von dem ich schon nach den ersten Kilometern so angetan war. Ein absolut gelungenes Gesamtkonzept, welches in seinem Einsatzbereich auf ganzer Linie überzeugt. Die kleinen Kritikpunkte fallen dabei kaum ins Gewicht. Zumal sie schnell und günstig aus der Welt geschafft werden können. Zwar ruft BMW in der Basis stolze 15.450€ auf, aber dabei sollte man eines beachten: Das Motorrad ist ab Werk schon wirklich schick und die Performance ist tadellos. Entscheidet man sich für ein Zweirad, welches vielleicht ein paar Euro günstiger ist, dann sollte man dabei aber bedenken, dass man mit ziemlicher Sicherheit mehr investieren muss, um auf das gleiche Level zu kommen. Und dann steht unter dem Strich die gleiche Zahl. Mal komplett abgesehen vom Werterhalt einer gepflegten Maschine aus München.

Official Motorcycle And Car Trailer | 2019

2020 wurde unser „alter“ Trailer aus dem Jahr 2019 durch einen neuen ausgetauscht.
Aber da dieser sicherlich nicht zum alten Eisen gehört fänden wir es schade, wenn dieser in der Versenkung des World Wide Web einfach verschwinden würde.

Deshalb findet sich das gute Stück weiterhin auf unserer Seite – jetzt eben in der Gesellschaft unserer weiteren News.

 

#BlickrichtungVorwärts | Hilfsmittel für schwierige Zeiten

#BlickrichtungVorwärts: Die Zeiten sind zeitweise keine einfachen. „Kopf-in-den-Sand-Stecken“ aber ist nie eine Option!
Besser: Aktiv werden und Pflöcke einschlagen – vor allem in der eigenen Kommunikation und Außendarstellung.

Aber wie?
Dafür haben wir in Kooperation mit der „World of Bike“ einen Leitfaden entwickelt, der euch in schwierigen Zeiten zur Seite stehen soll!

Wo bekommt ihr das gut Stück?

Genau hier:

Arbeitspapier

 

Oder auf der Seite der World of Bike unter folgendem Link:
https://world-of-bike.de/news/branche/2020/03/26/was-man-jetzt-als-handler-tun-kann-und-sollte.html

Du hast keine Lust so viel zu lesen? Kein Problem!
Nachfolgend findest du zu jedem Punkt des Arbeitspapiers einen kurzen Clip, der dir die Inhalte kurz und knapp erläutert.
Einfach runter scrollen und anhand der Headlines heraussuchen, welches Thema für dich interessant ist.

 

Die fünf größten Vorteile des Printmarketings

Leider werden die Kanäle der Printwerbung immer weiter verdrängt. Onlinemarketing liegt im Trend und wird fokussiert bespielt.
Trugschlüsse, falsche Behauptungen, Unwissenheit und sogar unseriöse Angebote im Netz tragen dazu einen großen Teil bei.

Trotzdem wird „Print“ niemals aussterben, auch wenn es gerade schwere Zeiten durchmacht!
Dazu hat es viel zu viele Vorteile! Die fünf wichtigsten haben wir in einem kurzen Video zusammengetragen.

 

Die „World of Bike“ fragt, wir antworten

Wenn man sich in der Motorrad-Branche herumtreibt, dann ist einem höchstwahrscheinlich das Magazin „World of Bike“ ein Begriff. Jeden Monat versorgt das kompetente und sympathische Team die Leser mit interessanten Themen rund um motorisierte Zweiräder.

Wir hatten die Ehre, uns den Fragen der Redaktion zum Thema Marketing zu stellen und wollen euch dieses Interview natürlich nicht vorenthalten.

 

WoB: Isabell und Sebastian, bevor wir einsteigen: Was steckt hinter Eurem Firmennamen?

RaW: Um es kurz zu sagen: Wir Zwei. Zurückzuführen ist das auf einen Song mit ähnlichem Titel, der uns in unserer Kennenlernphase über den Weg gelaufen ist. Der Text hat einfach auf unsere Beziehung zueinander gepasst und er begleitet uns noch heute. Das kann man sich in etwa vorstellen wie Bonnie und Clyde, nur ohne das ganze Chaos, das man mit denen verbindet – „Zwei gegen das schlechte Marketing!“

 

WoB: Marketing ist unbestritten ein weites Feld. Was ist für Euch gutes Marketing, welche Elemente sollte es enthalten, welche Handlungsfelder sollten unbedingt besetzt sein?

RaW: Um gutes Marketing zu erreichen müssen viele Punkte beachtet werden. Hier muss auch von Branche zu Branche unterschieden werden, was es am Ende des Tages wirklich gut macht. Für die Zwei- und Vierradbranche gelten aber vor allem drei Dinge ganz besonders: Emotion, Leidenschaft und Authentizität. Zudem sollte es im Kopf bleiben, „anders“ sein und auch etwas Mut zeigen. Die Handlungsfelder kann man nicht pauschalisieren. Das hängt zu stark vom einzelnen Projekt, dem Kunden und dem festgelegten Ziel ab. Hier ist es wichtig einen möglichst perfekten Mix aus den unterschiedlichsten Medien herauszuarbeiten und diese miteinander zu kombinieren, um ein stimmiges Gesamtes zu erhalten. Ein Appell, den man hier immer anbringen sollte: Bitte konzentriert euch nicht nur auf den Bereich Online, auch wenn es immer wieder propagiert wird, dass dies der Schlüssel zu allem in der Werbung ist. Das ist schlichtweg gelogen und unseriös.

 

WoB: In Sachen Marketing gibt der Motorrad-Fachhandel hierzulande nach unserer Beobachtung ein sehr uneinheitliches Bild ab. So manche Händler sind sehr aktiv in Sachen Eigendarstellung und Vermarktung ihrer Produkte, andere beschränken sich auf das Aufsperren ihres Ladens. Könnt Ihr Euch diese Passivität erklären? Und wie könnte man – respektive: könntet ihr – Abhilfe schaffen? Was ist Euer Kernargument pro Marketing?

RaW: Aufgrund unseres Wissens im Marketing und dem Wissen um den Nutzen können wir es nur schwer nachvollziehen. Gehen wir emphatisch an die Frage heran, können wir verstehen, dass der Kostenfaktor für den ein oder anderen sicherlich eine Rolle spielt. Verbunden damit, als Laie das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen schwerer identifizieren zu können, ist diese Zurückhaltung erklärbarer. Marketing darf nicht kurzfristig betrachtet werden, sondern es stellt einen Prozess über einen längerfristigen, dauerhaften Zeitraum dar. Das macht es teilweise für Viele nochmals schwerer greifbar. Abhilfe kann man hier schaffen, wenn man Kunden detailliert mit in das Thema einbezieht, es ihnen verständlich und auf Augenhöhe erklärt, ohne ständig mit Fachbegriffen zu jonglieren, die man als Außenstehender eh nicht versteht, nur um „professionell“ zu wirken. Eine ehrliche Kommunikation, die die Vorteile auch anhand von Beispielen greifbar macht. Wir möchten niemanden dazu zwingen, etwas zu tun, das er partout nicht will! Aber mit auf den Weg geben: „Es macht einfach Sinn!“ Und richtig angewendet bringt es natürlich deutlich mehr ein, als es kostet!“ Oder frei nach Henry Ford: „Wer nicht wirbt, der stirbt!“. Betrachtet man Marketing getriebene Unternehmen zeigen diese, dass es mit einer der wichtigsten Faktoren für den Erfolg eines Unternehmens ist.

 

WoB: Was sind die Besonderheiten im Marketing des Zweirad-Fachhandels? Wo lauert eventuell Ungemach? Und wo winken Chancen?

RaW: Der Transport der Emotion! Kaum einer kauft ein Motorrad aufgrund einer rationalen Entscheidung, sondern weil man einfach Bock darauf hat. Weil die Leidenschaft, die Gefühle, das Herz und der Bauch einem mitteilen, dass man es einfach tun muss. Daher lauert Ungemach darin, dass das Marketing diese wichtigen Elemente nicht enthält und somit nicht den gewünschten Erfolg erzielt. Auf der anderen Seite ist das eine große Chance für ein sehr gutes Marketing. Dieser Umstand sorgt dafür, dass man noch kreativer sein kann und man sich nicht nur mit Fakten befassen muss, man noch mehr Möglichkeiten geboten bekommt und man sich immer wieder aufs Neue von der Masse abheben kann.

 

WoB: Euer Appell an die Branche?

RaW: Traut euch anders zu sein, nur so stecht ihr aus der Masse heraus und eure Kunden nehmen euch wahr. Schlagt auch einmal neue Wege ein und folgt nicht nur den schon vorhandenen Pfaden. Denkt an die Emotion, die Leidenschaft und die Authentizität, die ihr selbst ja auch jeden Tag lebt und die euch antreibt. Plant euer Marketing und lauft nicht einfach drauf los. Setzt auf Qualität, statt Quantität, vergesst die Kontinuität dabei aber nicht. Diese Liste kann man noch unendlich weiterführen! Das würde aber den Rahmen sprengen.

 

 

Wir danken der „World of Bike“ für die Zeit und das Interesse an einem Interview mit uns!

 

 

Rabbit and Wolf meets Portugal

Wenn du die Wahl hast, die ruhige Zeit, die nie eine ruhige Zeit ist, im tristen Deutschland zu verbringen, oder bei rund 20 Grad am Atlantik deinen Hintern auf Motorräder schwingen kannst, für was würdest du dich entscheiden?

Wir haben uns dazu entschieden zu flüchten und haben uns nach Weihnachten auf den 2700 Kilometer langen Weg an die Algarve gemacht. Aber Rabbit and Wolf wäre nicht Rabbit and Wolf, wenn wir da zum Biersaufen, Schlafen und Rumlungern hingefahren wären. Der Plan war ein anderer: Mopete- und Endurofahren standen auf dem Plan. Ok, ein Bier haben wir uns auch mal gegönnt und auch am Strand sind wir mal gelegen. Aber nicht lange – wirklich nicht!

Aber von vorne…

Nach der Abholung des Spießerkombis bei einer namhaften Autovermietung begann der 25 Std. lange Ritt gen Südwesten, reine Fahrzeit versteht sich. Warum ne Mietkarre? Ganz ehrlich, unsere Autos sind uns einfach zu schade innerhalb von 10 Tagen, allein für den Hin- und Rückweg, knapp über 5000 Kilometer drauf zu eiern. Warum nicht fliegen? Weil wir unser Feelgood-Management mit dabei hatten – Betriebsausflug eben. Und die Vierbeiner wissen den Komfort im Gepäckraum eines Airbus dann doch nicht so sehr zu schätzen. Auch, wenn man die meiste Zeit auf der Autobahn verbringt, auf einer Tour durch sechs Länder bekommt man so schöne Eindrücke und Momente, die einem in einem 45 Zentimeter breiten Sitz, zwischen einem kreischenden Kind und einem schwitzenden Touristen, einfach verwehrt bleiben. Roadtrip-Feeling macht einfach Laune!

Nach zwei Tagen auf der Straße und einer Nacht in Frankreich sind wir dann auch schon in Vale da Telha angekommen. Einem traumhaft schönen Ort direkt am Meer. Also erstmal die paar Meter zu den Klippen gelatscht und den Blick genießen.

Der kommende Tag stand dann erstmal unter dem Motto „Ankommen und den wunden Arsch schonen“ (durchs Sitzen im Auto, nicht das, was du wieder denkst…).

Dann wurde aus der Ruhe aber endlich wieder etwas Action. Die Kurven der leergefegten Landstraßen wollten wir ja eh erkunden. Dass wir dann aber zufällig beim Besuch bei Colin von Enduro Portugal davon erfahren haben, dass sie jetzt auch 690er Dukes rumstehen haben, war ein absoluter Glücksfall. Eigentlich waren wir „nur“ für die Vorbesprechung der anstehenden Endurotour bei ihm in der Lodge. Aber so haben wir nicht nur die Chance auf brandneue Bikes bekommen, sondern auch gleich einen granatenmäßigen Tourentipp.

Also am nächsten Morgen direkt mal die 2 Kilometer runter nach Arrifana und in der Living Lodge Mopete holen, Helm auf die Birne und ab auf die Landstraße. Wir haben den 31. Dezember und dezente 19 Grad. Da kann doch schon mal nix schief gehen. Die erste Überraschung folgt nach dem Warmfahren. Die Karre geht erstaunlich gut vorwärts! Nach dem Ortsausgang warten schon die ersten Kurven. Und so soll es weiter gehen. Über Aljezur geht es weiter hoch in die Berge. Der Asphalt hat ein Gripniveau, dass man sonst fast nur von der Rennstrecke kennt. Quält den Reifen zwar mehr, aber dann hätte er eben kein Reifen werden sollen. Augen auf bei der Berufswahl…

Verkehr? Fehlanzeige! Also wirklich Fehlanzeige. Innerhalb der nächsten Stunde vielleicht zwei Autos, die einem entgegenkommen und zwei überholt. Dafür eine Kurve an der anderen. Von langgezogen zügig zu fahrenden bis hin zu Spitzkehren, die man im ersten Gang nehmen muss. Durch kleine landestypische Ortschaften geht es weiter auf den Serra de Monchique, der höchste Gipfel an der Algarve. Hier kann man gar nicht anders, als eine Pause einzulegen und den atemberaubenden Blick zu genießen. Es erwarten einen ein freier Blick über die Täler bis raus auf den Atlantik. Davon kann man nicht genug bekommen. Zum Glück ist zu dieser Jahreszeit auch so gut wie nix los und man wird nicht von dutzenden Reisegruppen niedergetrampelt.

Aber es warten ja noch mehr Kurven. Also rauf auf den Bock und die Serpentinen runter nach Monchique genießen. Von da aus geht es zurück nach Marmelete und rechts weg ins Hinterland. Die Hinfahrt war schon kurvig und ohne Verkehr. Aber was ist das denn? Da kann man sich das kindliche Lachen nicht mehr verkneifen. Mehr Kehren kann man in einen Kilometer echt nicht mehr reinpacken. Die nächste Stunde geht es durch eine wunderschöne Landschaft und durch eine andere Welt. Kein einziges Auto, kein einziger Mensch. Nur von einer Schräglage in die andere, bis einem schwindelig wird. Mehr geht nicht! Hier fühlt sich die Duke wirklich wohl. Mehr Leistung braucht man hier wirklich nicht. Das fahrradähnliche Handling, gepaart mit dem drehmomentstarken Einzylinder gehören genau hier hin. Da spannt dir einfach die Fresse, vor lauter Grinsen. Über S.Teotónio und Aljezur geht es als Abschluss noch an den Praia da Bordeira auf ein kleines Bierchen am Meer, die Eindrücke verarbeiten und den Sand unter den Füßen genießen.

Einen Tag später steht der 01. Januar auf dem Display des Mobiltelefons. Also ab an den Strand und die Ruhe genießen. Auch die Hunde sollen doch mal was von ihrem Urlaub haben und den menschenleeren Strand umgraben. Und mit menschenleer meinen wir menschenleer. Wir sind tatsächlich die einzigen. Könnte an der Jahreszeit liegen, aber auch daran, dass man sich erst einmal einen Weg von der 40 Meter hohe Klippe runter suchen muss. Aber die Suche und der umständliche Weg lohnen sich.

2. Januar 2020, Termin mit Enduro Portugal in Arrifana. Auf uns warten neben Colin und Jochen auch picobello gewaschene 450er KTMs. Wer mit den Jungs Runden durch den Dreck drehen möchte und keine eigene Ausrüstung im Handgepäck hat, der bekommt auch saubere Klamotten und Protektoren, die, wie die Mopeten, tip top in Schuss sind. Man muss sich also keine Gedanken machen, dass man danach mit peinlichem Ausschlag einen Besuch beim Dermatologen vor sich hat.

Nachdem wir uns in unseren feinen Zwirn geschmissen haben und auf dem Hobel sitzen geht es los. Ab ins Unterholz. Insgesamt zu fünft (inkl. der beiden Guides) sind wir fahrerisch vom Fahrkönnen im Gelände etwas gemischt. Aber keiner muss sich Sorgen machen, dass einer zu kurz kommt, oder aber überfordert wird. Erstens hat Portugal zum Endurofahren ein Angebot von Sightseeing bis hin zu masochistischer Hardenduro-Selbstvernichtung, zweitens kennen Colin und Jochen die Strecken wie ihre Westentasche, drittens wird auf jeden so viel Rücksicht genommen, dass keiner über seinen Grenzen fahren muss. Wer Bock hat kommt ins Schwitzen, wer es ruhiger angehen lassen will, der hat immer wieder die Chance die Landschaft zu genießen und Wetten abzuschließen, ob sich die anderen auf die Fresse legen. Oder man legt sich in den Dreck, wenn keiner hinsieht. Eine Variante, die wir bevorzugen.

Aber auch, wenn man es krachen lassen will, den leckeren Kaffee und das reichhaltige Mittagessen lässt sich keiner entgehen. Allein schon die Umgebung in den kleinen Ortschaften entführt einen in eine andere Welt. Es erinnert einen irgendwie an einen Film oder ein Videospiel.

Nach dem Mittagessen erwartet uns ein besonderes Highlight – ein Teilstück der SIXDAYS Portugal 2019. Fahrerisch gar nicht so einfach, merkt man hier erstmal, was die Fahrer auf der Rally leisten müssen. Da bleibt wenig Zeit sich die schöne Umgebung mal anzusehen. Zum Glück sind wir nicht gezwungen 300 Kilometer pro Tag durch den Wald zu ballern, sondern können auch mal einen Stop einlegen und das ein oder andere Foto machen. Vor allem nachdem die Landschaft so viel zu bieten hat. Von Bergen über Wälder bis runter ans Meer. Und das ist schon ein sehr außergewöhnlicher Anblick, wenn man mit der Enduro aus dem Wald kommt und auf einmal den Atlantik vor sich hat. In Kombination mit der Einsamkeit, die man stundenlang im Gelände genießen kann, eine unfassbar geile Mischung. Nach diversen Ausritten im Gelände in unterschiedlichen Ländern müssen wir sagen: Portugal ist bis dato unser persönlicher Favorit.

Nach dem Ausritt an den Strand machen wir uns auf den direkten Weg zurück in die Lodge. Es wird schon dunkel und man kann das Bier schon riechen. Den Gedanken scheint jemand gehört zu haben. Kaum runter vom Bock fällt der Blick direkt auf fünf gekühlte hopfenhaltige Getränke, die schon sehnlichst darauf warten von uns vernichtet zu werden. Also mehr Service und Einfühlungsvermögen der Guides kann man doch nicht mehr erwarten – einfach traumhaft! Der gesamte Tag hat sich keine Sekunde nach einer geguideter Tour angefühlt, sondern einfach ein Tag im Unterholz mit Freunden. So, wie es sein sollte!

Nun haben wir leider nur noch einen Tag, bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen. Bis dato stand der Trip, neben den Kilometern auf der Autobahn, unter dem Stern der Zweiräder. Nachdem wir ja prinzipiell alles lieben, was Sprit verbrennt (sorry Greta!), dürfen vier Räder nicht ganz vernachlässigt werden. Glücklicherweise befindet sich das Autódromo Internacional do Algarve nur 35 Minuten Fahrzeit entfernt. Neben der Rennstrecke und einem Offroadpark findet man hier auch eine Kartbahn. Nicht so Teile mit summendem Geräusch aus dem E-Motor eines Thermomix, sondern wie man es sich vorstellt – Benzingeruch, Sound, Emotion und Druck! Die Anfahrt ist schon fast etwas verrückt. Man fährt die letzten 15 Minuten durch das einsamste Hinterland. Mit Straßen voller Schlaglöcher und fernab der Zivilisation. Kommt man über die letzte kleine Kuppe öffnet sich die Landschaft und man fährt direkt auf ein riesiges Rennareal zu. Damit rechnet man so gar nicht.

Bei Ankunft hört man von der Renne schon den Klang der Motorräder. Nur haben wir leider keine Mopeds für die Strecke im Handgepäck und ohne Buchung bekommt man auch nicht einfach spontan Zugang. Aber das war ja auch nicht der Plan.

Nach der Anmeldung und dem Einkleiden geht es auch schon auf die Strecke. Hier zeigt sich mal wieder der Vorteil der Jahreszeit – nix los! Nach kurzem Briefing des Streckenverlaufs war es Zeit für Turn No. 1. 15 Minuten Knallgas! Ganz ehrlich – für die Unterarme reicht die Zeit am Stück auch aus. Daher erstmal eine kurze Pause in der Box. Zufälligerweise stand auf einem Teil der Strecke das Training der Profis an. Daher kamen wir in den Genuss, dass der Streckenverlauf für den zweiten Turn verändert wurde. Wir müssen sagen, großer Vorteil! Zwar war die Strecke nun knappe 500 Meter kürzer, dafür fiel die lange Zielgerade und eine weitere lange Gerade weg, auf dem die Karts eh an ihre Grenzen kamen. Somit nur noch eine Kurve nach der anderen. Sorgte zwar für mehr Belastung der Hände und Arme, aber gleichzeitig auch für noch mehr Spaß.

Als Rehabilitation half dann der Kaffee mit Blick in die Berge und auf die Rennstrecken, begleitet vom Sound der Sportwägen, die die Rennmopeds mittlerweile auf der Hauptstrecke abgelöst haben. Danach heißt es wieder ab in den Pampersbomber und zurück Richtung Praia de Monte Clérigo auf ein landestypisches Sandwich.

Am darauffolgenden Tag war es das leider schon wieder mit der kurzen Auszeit – das Büro ruft… Bedeutet, nach dem Packen und Einladen wieder 2688 Kilometer zurück in die Heimat. Zeit die Tage Revue passieren zu lassen, im Kalender nachzuschauen, wann man wieder runterfährt und sich Gedanken zu machen, ob man mal nachdenken sollte, ein zweites Büro am Atlantik zu planen. We will see!

PS: Noch einmal vielen Dank und viele Grüße an Colin und Jochen!
Stellt schon mal die Mopeten parat und das Bier kalt – wir sind bald wieder da!

 

Riskieren, anders zu sein

Vor ein paar Wochen waren wir auf der Fachtagung der Bike und Business in Würzburg, neben einem Stand, auch mit einem Vortrag zum Thema Marketing vertreten.
Zu jedem der, an dem Tag, gehaltenen Vorträge gibt es nun auch eine redaktionelle Zusammenfassung.
Wir müssen sagen, die 20 Minuten werden in den Zeilen auf den Punkt wiedergegeben!

Vielen Dank an Selina Pellner, für die damit verbundene Arbeit!

 

 

Emotionen wecken, Kundenerwartungen übertreffen und aus der Masse stechen. Darum geht es im Marketing. Den Begriff kennt heute jeder. Bei der Umsetzung kommt es meist dennoch zu vermeidbaren Fehlern, weiß Isabell Bolligs von Rabbit and Wolf.

 

Der Motorradhändler Michael steht in der lichtdurchfluteten Verkaufshalle seines neuen Harley-Shops. Der ledrige Geruch der Motorradsitze steigt ihm in die Nase. Beim Anblick des Schriftzugs „Michas Harleys“ über der gläsernen Eingangstür bekommt er Gänsehaut. Michael ist sich sicher: Das wird sein Jahr! Im Januar kündigte er seinen langjährigen Job in einer Kfz-Werkstatt, um sich selbstständig zu machen. Der Biker hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Durch seine Erfahrungen in der Werkstatt weiß er, dass Kunden nicht von allein kommen. Deshalb hat er sich ein Budget für Marketing-Maßnahmen zusammengespart – trotzdem bleibt der Erfolg aus.

Michael fühlt sich gut vorbereitet. Man sagte ihm, dass im digitalen Zeitalter nichts mehr ohne soziale Medien geht, weshalb er bereits einen Workshop zum Thema Social Media Marketing besuchte. Noch vor Eröffnung seines Motorradladens erstellte er hochmotiviert einen Facebook- und Instagram-Account. Bestimmt findet er im Betrieb ab und an Zeit, Bilder und Videos hochzuladen, denkt er sich. Auf dem Workshop lernte Michael, dass heutzutage wirklich jeder in Social Media vertreten ist. Eine Chance aber auch sehr viel Druck. Warum er die Social-Media-Kanäle braucht, weiß er trotzdem nicht so genau. Wenn es alle machen, wird es schon richtig sein. Seine Bilder werden sicherlich ein paar Kunden gefallen.

Isabell Bolligs ist Gesellschafterin von Rabbit and Wolf, eine auf Motorräder spezialisierte Marketing- und Consultingagentur. Sie gehört selbst zur Biker-Szene. Die Motorradfahrerin mit den granatapfelroten Haaren und dem bunten Halstattoo erklärt: „Eine gute Mediaplanung ist das A & O für erfolgreiches Marketing“. Dabei sind vier Eigenschaften unentbehrlich: Kontinuität, Konsistenz, Konsequenz und Kompetenz. Medienkanäle müssen also regelmäßig und gleichwertig mit Inhalten versorgt werden. Nur so hinterlässt man bei der Zielgruppe einen kompetenten Eindruck. Ebenso wichtig ist es, seine Zielgruppe zu überraschen, emotional zu packen und ihre Erwartungen zu übertreffen. Es reicht nicht aus, seine Zielgruppe nur zufrieden zu stellen. Die Grundlage hierfür ist es, die Zielgruppe zu kennen und zu wissen, wie sie erreicht werden kann. Die Auswahl der richtigen Medien spielt dabei eine besondere Rolle. Durch die stetig wachsende Medienlandschaft ist es immer wichtiger, passende Medienkanäle zu finden, zu analysieren und erfolgreich zu verwenden. Durch den andauernden Online-Trend wird „Print“ oft vergessen, betont Sebastian Bolligs, ebenfalls Gesellschafter von Rabbit and Wolf. Und das hat verheerende Folgen: Die eigentliche Zielgruppe wird online nicht erreicht.

Auch Michael erreicht seine Harley-Liebhaber nicht vorrangig über soziale Medien.

Von seinem Freund Bernd bekommt Michael den Tipp, eine Werbeanzeige in der lokalen Tageszeitung zu schalten. Michael befolgt seinen Rat – einen Werbetext hat er bislang jedoch noch nie geschrieben. Formell schreibt er: „Über Ihren Besuch würde ich mich sehr freuen“, um seriös zu wirken. In der nächsten Ausgabe der Tageszeitung findet er stolz sein einspaltiges, sechszeiliges Werk neben 20 weiteren Werbeanzeigen wieder – alle schwarzweiß und im ähnlichen Format.

Gutes Marketing bedeutet, aus der Masse hervorzustechen

Das eigene Alleinstellungsmerkmal herauszuarbeiten hält Marcus Hillenbrand, Teamleiter des Vertriebsaußendiensts und Händlermanagements von Kawasaki Motors Europe, für die größte Herausforderung im Marketing. Die Tonalität muss sich von den Mitbewerbern abheben und gleichzeitig auf Augenhöhe mit der Zielgruppe sein. Laut Isabell Bolligs ist es deshalb umso wichtiger, neben seiner Zielgruppe, potentielle Mitbewerber zu kennen. Außerdem ist einer erfolgreichen Mediaplanung die Definition von Werbezielen vorausgesetzt. Soll das Marketing zur Imagebildung, Neukundenakquise oder Kundenbindung dienen?

Michael wird langsam unsicher. Auf seinen Social-Media-Kanälen hat er schon ein-, zweimal Bilder veröffentlicht, aber besonderen Anklang finden diese nicht. Er fragt sich, ob er sein Budget für einen teuren Werbefilm ausgeben sollte. Sein Erspartes wäre zwar dahin, jedoch würde er sich von anderen Motorradhändlern in der Nähe abheben. Auch seine Zielgruppe würde er besser erreichen. Wenn der Werbespot gut ist, würde er als Maßnahme für die nächste Zeit bestimmt ausreichen – oder?

„Schlechtes Marketing heißt pures Geld verbrennen“, vergleicht Isabell Bolligs. Es ist wichtig darauf zu achten, das Geld effizient einzusetzen. Um die Kontinuität und Konsistenz zu wahren, ist es sinnvoller, sein Budget für einen längeren Zeitraum und kleinere Maßnahmen, als einmal für eine große Werbemaßnahme einzuplanen. Relevante Werbeträger werden mittels Analysen bestimmt. Dabei ist es eine große Herausforderung „die Balance zu finden zwischen Digital und Print“, sagt Thomas Timmen, Außendienstmitarbeiter der MSA Weiden. Auf die Suche nach passenden Werbeträgern folgt das Einholen von Angeboten für Werbeplätze. Auch an dieser Stelle empfiehlt Bolligs langfristig zu planen. Die Verhandlungsbasis bei langfristiger Planung sei oft günstiger. Trotzdem sollte ein zeitlicher Rahmen gesetzt und zudem überlegt werden, wie lange eine Maßnahme sinnvoll ist. Außerdem ist es wichtig, den Erfolg einer Maßnahme durch bestimmte Kennzahlen zu kontrollieren. Nur so kann eine Marketing-Strategie immer wieder optimiert werden.

Eine erfolgreiche Mediaplanung bedeutet, weniger Werbeetat zu benötigen – etwa durch weniger Streuverluste bei Werbemaßnahmen. Darüber hinaus spart eine vorausgehende Mediaplanung Zeit bei der Umsetzung dieser Maßnahmen. Bei der Erstellung eines Mediaplans bleibt dennoch zu beachten: „Mediaplanung kann man nicht übers Knie brechen. Freiraum für Kreativität muss sein“, so Sebastian Bolligs.

Michael wird zukünftig einen Marketing-Dienstleister mit seiner Mediaplanung beauftragen. Er möchte sein Erspartes lieber in die Hände von Experten geben, anstatt weiter sein Erspartes zu verbrennen. Er weiß jetzt, dass hinter einer guten Mediaplanung mehr steckt, als er dachte. Instagram, Facebook und Co. sind eben keine Allheilmittel.

Woran man unseriöse Werbeagenturen schnell und sicher erkennt

Jede Branche hat seine schwarzen Schafe. Seit geraumer Zeit tummeln sich auch im Bereich des Marketings immer mehr davon! Besser gesagt, sie vermehren sich wie Ungeziefer.
Nicht nur, dass sie damit ihrer Umwelt den letzten Nerv rauben – nein, sie rauben ihren „Kunden“ auch ihr hart erarbeitetes Geld!

Daher haben wir hier ein paar der offensichtlichsten Punkte zusammengefasst, um unseriöse Angebote schneller identifizieren zu können.

Wer keine Lust hat, wem die Zeit fehlt, oder wer den Anblick der gezeigten Person nicht ertragen kann, hier die angesprochenen Punkte in Form von Stichpunkten:

 

1. Schlechte Webseiten
2. Inhalt der Seiten mit Fokus auf Geld, Terminvereinbarungen und Seminaren
3. Impressum / AGBs fragwürdig
4. Werbung auf Social Media Kanälen im Überfluss
5. Gesichter der Unternehmen im Social Web stark aktiv
6. Es wird lediglich Onlinemarketing angeboten
7. Es sind auf Kundenseite angeblich keine Vorkenntnisse notwendig
8. Keine echten Kundenstimmen oder negative Kommentare
9. Gekaufte Follower
10. „Unternehmer“ meist sehr jung
11. „Unternehmer“ treten in der Regel sehr „schmierig“ auf
12. Zeigen sich immer absolut „busy“
13. Sprechen lediglich über Geld, den eigenen Erfolg und Freiheit
14. Kommunikation ist stets voll von Übertreibungen
15. Texte sind gespickt mit einer Vielzahl an Emojis

 

Vier Fragen – Vier Antworten

Auf der Fachtagung der Bike und Business ist neben unserem Vortrag auch ein kurzes Webcast-Interview entstanden.

Wir sind der Meinung, dass die Fragen der Redaktion super gewählt wurden, da diese die größte „Problematik“ im Marketing wiederspiegeln!

Wer sich nun denkt, „Ach, super! Da bekomme ich endlich einmal das Geheimrezept für meine Werbung…“, den müssen wir leider enttäuschen.
Der Grund dafür ist aber ganz einfach:
Es gibt einfach kein allgemein gültiges Rezept, welches für jedes Unternehmen und für jedes verfolgte Ziel funktioniert – und das wird es wohl auch niemals geben!

PS: Besonders stolz sind wir darauf, dass das Video nach ca. fünf Minuten bereits einen Daumen nach unten und einen negativen Kommentar bekommen hat!